Verbesserung des Erhaltungszustands von artenreichen Offenland-Lebensraumtypen auf pflegebedürftigen Splitter-/Restflächen und Aufbau einer naturschutzfachlichen Erfolgskontrolle

Hintergrund

 

Der überwiegende Anteil gefährdeter Offenland-Lebensraumtypen (LRT) entsprechend Anhang I der FFH-Richtlinie (FFH-RL) ist auf eine extensive landwirtschaftliche Nutzung angewiesen. Zu nennen sind in erster Linie die verschiedenen Ausprägungen nutzungsabhängiger Trockenrasen (z. B. LRT 6210(*), 6240*), Flachland-Mähwiesen (LRT 6510), artenreiches Feuchtgrünland (z. B. LRT 6410, 6440) und montane Bergwiesen (LRT 6230*, 6520) sowie natürlicherweise kleinflächige Sonderstandorte wie Binnensalzstellen (LRT 1340*) oder Schwermetallrasen (LRT 6130), die ebenso zumindest periodisch auf pflegende Eingriffe angewiesen sind. Diese Lebensräume weisen gewöhnlich einen großen Artenreichtum (Flora, Fauna), gleichzeitig aber auch einen hohen Anteil an gefährdeten Arten auf. Gründe für deren Gefährdung sind einerseits Nutzungsintensivierung auf produktiveren Standorten, gegenwärtig aber vor allem Nutzungsaufgabe auf Grenzertragsstandorten.

Für größere zusammenhängende Gebiete mit Offenland-LRT konnten in der jüngeren Vergangenheit für Sachsen-Anhalt Konzepte entwickelt werden, die langfristig den Erhalt des Offenlandes gewährleisten können. Beispielhaft seien die extensiven Beweidungsprojekte mit robusten Megaherbivoren im Bereich ehemalig militärisch genutzter Flächen in der Oranienbaumer Heide und in den „Toten Tälern“ genannt, sowie Vorläuferprojekte mit Ziegenbeweidung im unteren Saaletal, die hier auch fortgesetzt werden.

Gefährdete Offenland-LRT sowie die Habitate seltener Pflanzen- und Tierarten sind heutzutage häufig jedoch außerordentlich kleinflächig. Vielfach handelt es sich dabei um Relikte ehemals großflächiger Vorkommen, die nur noch inselartig als Splitter- oder Restflächen (z. B. Trockenrasensplitter inmitten von Gebüschaufwuchs) vorhanden sind.

Ein Großteil dieser naturschutzfachlich sehr wertvollen Splitter-/Restflächen befindet sich in Natura 2000-Gebieten. Dennoch liegen viele dieser Flächen seit mehreren Jahrzehnten brach oder wurden aus sozioökonomischen Gründen erst kürzlich aus der Nutzung genommen. Häufig erschweren spezifische Flächen-Charakteristika die Bewirtschaftung auf den Grenzertragsstandorten (z. B. Geländerelief, hoher Grundwasserstand, isolierte Lage, fehlende Erstinstandsetzung).

Dennoch weisen diese Kleinstflächen oftmals noch sehr artenreiche Restbestände von Offenland-LRT und Populationen von seltenen Pflanzen- und Tierarten auf. Für diese naturschutzfachlich sehr wertvollen Splitter-/Restflächen müssen zeitnah neue Lösungsansätze hinsichtlich Nutzung und Finanzierung entwickelt werden. Da die Artenvielfalt im Offenland sich auf diesen Kleinstflächen konzentriert, ist für den Erhalt der Biodiversität in Sachsen-Anhalt die Lösung der „Splitter-/Restflächenproblematik“ von zentraler Bedeutung.

Projektziele

 

>>Teilprojekt A

Teilprojekt B

Wichtigstes Ziel des Teilprojektes B war es, zunächst ausgehend von drei Modellregionen (Landkreise Börde, Harz, Wittenberg), auf der Grundlage von vorhandenem Datenmaterial in enger Zusammenarbeit mit den regionalen Behörden (Landesamt für Umweltschutz, Unteren Naturschutzbehörden) und lokalen Experten (z. B. Arbeitskreis Heimische Orchideen Sachsen-Anhalt, Botanischer Verein Sachsen-Anhalt) eine Flächenkulisse von artenreichen Splitter-/Restflächen (Schwerpunkt botanischer Artenschutz) zu ermitteln. Im Laufe der Projektarbeit wurde der Flächenkulissenvorschlag auf das gesamte Bundesland ausgeweitet.

Im Rahmen von Plausibilitätskontrollen galt es, Flächenabgrenzungen anzupassen, Nachkartierungen zu Art- und LRT-Vorkommen durchzuführen sowie Bewirtschaftungserschwernisse zu prüfen.

Darüber hinaus waren in Teilprojekt B Pflegeempfehlungen für Lebensraum- und Biotoptypen des Offenlands sowie Kosten für geeignete Landschaftspflegemaßnahmen zu recherchieren, exemplarische Steckbriefe zur Flächenpflege prioritärer Flächen zu entwickeln sowie ausgewählte Pflegeprojekte auf prioritären Pflegeflächen in den Modellregionen zu initiieren und umzusetzen.

 

Projektleitung: Prof. Dr. Sabine Tischew
Projektbearbeitung: Dr. Daniel Elias, Dr. Alrun Siebenkäs, Thomas Engst, M.Sc., Vera Senße, M.Sc.
Gefördert durch: ELER- Sachsen Anhalt (Projektlaufzeit: 20.02.2017-30.09.2020).

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